Dienstag, 24. Januar 2017 um 10:28 Uhr

Wie ich einen Bluetooth-Lautsprecher als Megafon verwende

Kommst du dauernd in die Situation, ein Megafon zu brauchen?

Gut, ich auch nicht. Aber was, wenn man sich in einer größeren Menschenansammlung findet? Oder mal eben bei einer Party eine kleine Ansprache halten möchte? Für solche Zwecke extra ein Megafon herzukarren, ist viel zu umständlich. Einfacher ist es einen Bluetooth-Lautsprecher als Megafon einzusetzen – also einfach ein Mikro an den Lautsprecher zu hängen und das Gesprochene verstärken lassen.

…Zumindest würde man das annehmen. Und am Papier klingt auch alles ganz logisch:

Ein Mikrofon fängt Geräusche auf und leitet sie an ein Ausgabegerät weiter. Ein MP3 Player macht nichts anderes, bloß zeichnet er die Geräusche nicht auf, sondern hat sie bereits als Musik im internen Speicher zur Verfügung.

Einen MP3 Player oder anderes Zuspielgerät kann man ohne Probleme an einen Bluetooth Lautsprecher anhängen – das müsste also auch für das Mikrofon gelten. Und ein Mikrofon, das direkt an einem Lautsprecher hängt, wird zum Megafon. Soweit die Theorie.

In der Praxis ist das nicht so einfach – man muss schon ein wenig tricksen, um seinen Bluetooth-Lautsprecher zum Megafon umzuwandeln. Je nach dem, welche Ausrüstung du zur Verfügung hast, gibt es zwei gute Möglichkeiten, das Ganze zum Laufen zu bringen.

 

Warum kann ich nicht einfach ein Mikrofon an den Aux-Eingang schließen?

Wenn dich die Hintergründe der Problematik nicht interessieren, überspring den Abschnitt einfach und lies ab der nächsten Überschrift weiter.

Wie schon erwähnt, klingt es eigentlich sehr einleuchtend, dass man ein Mikrofon direkt an den Aux-Eingang schließt und dann direkt loslegen kann. Was uns daran hindert ist allerdings, dass das Signal des Mikrofons zu schwach ist, um wirklich einen Ton aus dem Lautsprecher rauszuholen.

Viele Mikrofone funktionieren ohne, dass man zusätzlich Strom zuführen muss. Streng genommen generieren sie sogar welchen. Die Geräusche, die ein Mikro aufzeichnet, lassen eine Membran schwingen. Diese Schwingungen erzeugen dann Induktionsstrom [1], den das Mikrofon weiterleitet – z.B. in einen Lautsprecher.

Für gewöhnlich ist die Aufgabe des Lautsprechers das genaue Gegenteil: diesen Strom wieder in Schallwellen zu interpretieren.

Schließt man das Mikrofon an den Aux-Eingang an und schickt das Signal direkt an die Lautsprecher passiert deshalb nichts, weil der vom Mikro generierte Strom im Bereich 0.001 – 0.01 Volt spielt. Der Lautsprecher würde über den Aux-Eingang hingegen eine Spannung von 0.3 Volt [2] erwarten – also mindestens das Dreißigfache! Verfügt der Lautsprecher über keinen Aux- sondern einen Line-Port, wird sogar noch mehr Spannung (etwa 1 Volt) benötigt.

 

 

Die nötige Spannung, um den Lautsprecher zu betreiben, liefert erst ein zwischengeschalteter Verstärker. Den haben viele Bluetooth-Lautsprecher aber nicht – zumindest nicht, wenn man über den Aux-Eingang anschließt.

 

Möglichkeit 1: Bluetooth Lautsprecher mit eingebautem Mikro-Verstärker

Die wenigsten Lautsprecher verfügen über die Funktion, aber es gibt sie! Einer davon ist der Creative iRoar Go.

 

 

Creative bewirbt ihn sogar damit, dass er zu einem Megafon umgerüstet werden kann. In seinem Aux-Port ist ein eigener Mikro-Verstärker integriert, der das Signal so ausrichtet, dass das, was ins Mikro reingetönt wird, aus dem Lautsprecher wieder rausschallt.

Direkt kann man das Mikro dennoch nicht an den iRoar Go anschließen – als Zwischen-Stecker muss ein Adapter her, der das dreipolige Klinkenkabel zu einem vierpoligen macht. Der ist allerdings im Lieferumfang enthalten.

 

 

Ein kleiner zusätzlicher Pluspunkt ist, dass du zumindest beim iRoar Go auf diese Weise auch auf micro-SD Karte aufzeichnen kannst.

 

Wie gut klappt es?

Ich hatte zum Testen ein relativ schwaches Tisch-Mikrofon zur Verfügung und konnte trotzdem gute Lautstärken und Qualität aus ihm rausholen. Im Idealfall steht man etwas weiter vom Lautsprecher weg – sonst läuft man schnell mal in eine Rückkopplung rein. Stellst du dich damit auf die Straße und hast den iRoar Go vor dir aufgestellt, klappt das ganz gut. Um damit herumzugehen, wäre der Lautsprecher beim Transport wohl zu nah am Mikro und könnte entsprechend Probleme machen.

Mir kam soweit noch kein anderer Lautsprecher mit der Funktion unter, aber, wer sich gut umsieht, findet unter Umständen weitere Modelle mit eingebautem Verstärker.

Externer Mikro-Verstärker:
Natürlich könnte man auch einfach einen Mikrofon-Verstärker zwischen Mikro und Lautsprecher schalten und so auch einen “gewöhnlichen” Bluetooth-Lautsprecher verwenden. Das wäre aber Overkill und meiner Meinung nach die Investition nicht wert – wenn du nicht gerade einen zu Hause rumliegen hast, kannst du gleich ein richtiges Megaphon erstehen.

Möglichkeit 2: Das Smartphone als Mikrofon verwenden
Natürlich gibt es Smartphone-Apps, die diese Funktion erfüllen. Hier ist eine für Android und hier eine für iOS.

Für die Methode musst du nicht einmal ein Klinkenkabel bemühen – es läuft genauso über Bluetooth. Einfach wie gewohnt kabellos mit dem Lautsprecher verbinden, die App starten und in den Hörer sprechen.

Wie gut klappt es?

Ehrlich gesagt, nicht besonders gut.

Ich testete auf Android und fand, dass man zwar insgesamt bequemer und einfacher zu seinem Megafon kommt. Allerdings gibt es bei der Übertragung über Bluetooth eine Verzögerung von etwa einer halben Sekunde, bis das Gesprochene aus dem Lautsprecher kommt. Dann wär da noch das Problem, dass man ein starkes Echo in der Ausgabe hat – was wohl am omnidirektionalen Mikro im Smartphone liegt. Wenn man sich weit genug vom Lautsprecher entfernt, ist das hingegen kein Problem mehr.

Verzichtet man auf Bluetooth und schließt stattdessen ein Klinkenkabel zwischen Smartphone und Lautsprecher, ist die Verzögerung etwas geringer und auch das Echo ist weniger drastisch.

Ein Problem besteht aber bei beiden Verbindungsarten: Das Handy zeichnet alle Geräusche in seiner unmittelbaren Umgebung auf. Wenn du dich auf diese Weise auf der Straße Gehör verschaffen willst, wirst du vermutlich von anderen Stimmen übertönt. Am ehesten wird es noch gelingen, diese Methode in einem stillen Saal zu verwenden, um auch überall gehört zu werden.

Insgesamt mehr ein nettes Gimmick

Da hast du’s: So funktionierst du deinen Bluetooth-Lautsprecher zum Megafon um.

Mich persönlich haben beide Wege nicht zu 100 Prozent überzeugt. Wer wirklich in einer Situation ist, in der ein Megafon gefragt ist, kommt damit nicht besonders weit: In einem Menschenauflauf dringt schon ein echtes Megafon selten wirklich durch. Mit einem Bluetooth-Lautsprecher, den man mal eben umfunktioniert, wird das noch wenig gelingen.

Anders sehe ich das für Anlässe, wie Familienfeiern. In einem größeren Raum oder Saal ohne Sound-Anlage sind beide oben genannten Methoden eine sinnvolle Möglichkeit, die eigene Stimme ein wenig zu verstärken und auch in den hinteren Rängen gehört zu werden. An ein Gerät, das speziell zu diesem Zweck gebaut ist (oder eine gute Akkustik-Anlage für den Raum) kommt man damit keineswegs ran. Wer so eines aber nicht für diesen einen Anlass anschaffen will, kann sich so ein paar Euro sparen und vorhandene Ressourcen ein wenig umwidmen.

 

Quellen und Weiterführendes:
[1] http://www.leifiphysik.de/elektrizitatslehre/elektromagnetische-induktion

[2] http://shure.custhelp.com/app/answers/detail/a_id/758/~/mic-level-and-line-level—-what-do-they-mean%3F

 


Tom mag Bluetooth-Gadgets und alles, was man damit so anstellen kann. Was er in diesem Gastbeitrag gerne getan hat, tut er auch auf seiner Seite “Wirelesspirat”: kabellose Geräte, wie Bluetooth Kopfhörer testen und nützliche Tipps geben, um alles aus ihnen rauszuholen.


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