Donnerstag, 30. Juni 2016 um 3:35 Uhr

Alles über Drohnen: Rechtslage, Genehmigungen, Tipps

Spätestens nach dem Erscheinen der ersten DJI Phantom im Jahr 2012 wandelte sich das Thema Drohnen, Quadro- und Multicopter zu immer größerer Beliebtheit. Doch mit dem Hype und der Häufigkeit an Drohnen am Himmel stiegen natürlich auch die Unfallrate und Rechtsfragen zum Thema ‘unbemannte Luftfahrzeuge’. Worauf du nun rechtlich und allgemein achten solltest, bevor du dein Fluggerät steigen lässt, liest du in diesem Artikel.

 

Bevor es mit den wichtigen Infos, die ich für dich aus dem Netz zusammengetragen habe und auch aus eigener Erfahrung schreibe, los geht, sei dir im Klaren dass es sich hierbei hauptsächlich um die Lage in Deutschland und Österreich handelt.
Nehmen wir beispielsweise das Gesetz in den USA her, müsste jede Drohne und jeder Quadrocopter offiziell registriert sein. Hierzulande benötigt man eine Genehmigung und Flugerlaubnis, wenn man das Filmen mit einer Drohne beispielsweise gewerblich nutzen möchte. Auch hier gibt es verschiedenste Bestimmungen, Auflagen und Vorschreibungen, auf die ich aber im weiteren Verlauf des Artikels näher eingehen werde.

 

Gerne kannst du im unteren Kommentarbereich eine Diskussion über dieses Thema starten oder sämtlichen Lesern über Dinge Fragen stellen, die du immer schon über Drohnen und Co. wissen wolltest.

 

Drohne – Quadrocopter – Multicopter. Wo ist überhaupt der Unterschied?

Drohnen sind unbemannte Flugobjekte, die sowohl autonom als auch automatisiert fliegen können.

• Der Quadrocopter besitzt vier in einem Level angeordnete und senkrecht nach unten gerichtete Propeller/Rotoren für den Auftrieb. Durch die Schräglage der Propellerebene wird der Vortrieb fabriziert.

• Mehrere fest angebrachte Propeller sorgen beim Multicopter für den Start. Das Wort Multicopter ist ein Überbegriff für folgende Modelle.

– Tricopter: 3 Propeller
– Drohne bzw. Quadrocopter: 4 Rotoren
– Multicopter: 4 Propeller
– Hexacopter: 6 Rotoren
– Ocotocopter: 8 Rotoren

 

Fliegen macht Spaß!

Jeder der eine Drohne bzw. einen Quadrocopter besitzt, weiß, dass Fliegen jede Menge Spaß macht. Die wohl beliebtesten Geräte stammen vom Hersteller DJI – dabei handelt es sich um die Quadrocopter-Baureihe Phantom. 2012 erschien das erste Modell, mittlerweile gibt es 8 verschiedene Ausführungen der Phantom. Die vierte Generation (Phantom 4) verfügt nicht nur über stärkere Motoren, sondern auch über eine noch ausgeklügeltere Technik als ihre Vorgänger. So erkennt der Quadrocopter zum Beispiel automatisch Hindernisse vor ihm und weicht diesen gekonnt aus. Zudem hat der Pilot die Möglichkeit, mit der fix verbauten 4K-Kamera im Full-HD-Modus scharfe Zeitlupenaufnahmen dank einer Bildrate von 120 Bildern pro Sekunde zu erstellen.

Ein weiterer Vorteil der Phantom’s ist der GPS-Empfänger, der vor dem Start den genauen Standort des Piloten auf der Karte speichert, um bei einem Signalverlust oder schwachem Akku sofort wieder zum Startpunkt zurückzukehren (Return To Home), ohne dass der Pilot einen Finger bewegen muss.
Auch in Sachen Steuerung und Benutzerfreundlichkeit ist der DJI Phantom vorne dabei, denn bereits nach wenigen Flugminuten – auf jeden Fall unter einer Stunde – ist man mit der Steuerung schon ziemlich vertraut und hat das Gefühl für den kleinen Quadrocopter bekommen.

Natürlich gibt es auch größere und teurere Drohnen und Quadrocopter mit mehr Funktionen und Mechanismen, wie beispielsweise den DJI Inspire (Amazon-Link), der auch bei namhaften Hollywood-Filmen zum Einsatz kommt.

Alternativen zum DJI Phantom:
Die Phantom-Modelle sind nicht ohne Grund Marktführer, denn durch die fast perfekte Technik und der hohen Anzahl an interessanten Features macht es einen Riesenspaß mit ihnen zu fliegen und vorallem die Aufnahmen können sehr beeindruckend sein wenn man an den richtigen Orten fliegt. Dennoch gibt es genügend Alternativen, die auch in einer niedrigeren Preisklasse liegen. Diese sind beispielsweise folgende:

Syma X5C Explorer
Tec.Bean X902
Amewi 25163
Eachine H8C
UDI U818A

um die aktuell bestbewerteten Drohnen und Quadrocopter zu nennen.

 

Die Königsklasse: DJI Phantom 4

 

Der erste Flug…

Bevor man die Propeller rotieren und die Drohne aufsteigen lässt, sind ein paar Kleinigkeiten zu beachten. Die Montage der Propeller (eigentlich Rotoren) sowie die erstmalige Instandsetzung sind im Prinzip ganz einfach und auch in der mitgelieferten Betriebsanleitung deutlich beschrieben. Vor dem ersten Aktivieren nicht vergessen ein Update auf die neueste Version der DJI Go App am Smartphone oder Tablet durchzuführen (falls du bereits die DJI Phantom 3 oder 4 gekauft hast). Auch hier weist dich die App auf das Update hin, sodass man es eigentlich nicht vergessen oder übersehen kann.

Die folgenden Tipps für den ersten Flug beziehen sich auf den DJI Phantom 3 und wurden aus eigener Erfahrung verfasst. Damit bist du zu 100 Prozent auf der sicheren Seite für deine erste Luftfahrt.

1. Zuerst den Sender – also die Fernsteuerung – einschalten bis die rote LED leuchtet.

2. Nun gegebenfalls den Akku einsetzen und den Empfänger – also den Quadrocopter – aktivieren, indem du einmal kurz und darauffolgend lang auf den Knopf am Akku drückst. Der Quadrocopter ist eingeschaltet sobald ein relativ lautes Signal ertönt.

3. Die Blinksignale der LEDs an der Unterseite des Quadrocopters bedeuten folgendes:

Gelb = Aufwärmen / Suchen nach GPS-Satelliten
3x Rot = weniger als 5 GPS-Satelliten gefunden
2x Rot = 5 GPS-Satelliten gefunden
1x Rot = 6 GPS-Satelliten gefunden
Aus = mehr als 6 GPS-Satelliten gefunden

Im Optimalfall sollte man immer erst dann starten, wenn das Gerät mehr als 6 GPS-Satelliten gefunden hat, um die höchste Sicherheit beim Fliegen gewährleisten zu können. Praktisch könnte man auch ohne GPS-Signal fliegen, doch dies empfiehlt sich eher für Fortgeschrittene die beispielsweise in einer Halle fliegen wollen. Hierbei sind aber mehrere Flugstunden Erfahrung empfehlenswert. Zudem gibt es dafür noch verschiedene Einstellungen an der Fernsteuerung, auf die ich im weiteren Verlauf dieses Artikels noch eingehen werde.
Auch in der DJI Go App wird ein grüner Balken angezeigt mit “Safe To Fly”, sobald genügend GPS-Satelliten gefunden wurden. Das Smartphone/Tablet verbindet man jedoch üblicherweise erst später mit dem Quadrocopter (siehe Punkt 4).

4. Smartphone/Tablet via WLAN über die DJI Go App mit dem Quadrocopter verbinden, wenn notwendig Update und unbedingt Kompasskalibrierung durchführen. Um den Kompass zu kalibrieren tippe oben auf den grünen Balken “Safe To Fly” und auf “Calibrate” beim Menüpunkt “Compass”. Daraufhin einfach den Anleitungen folgen. Dabei unbedingt darauf achten, dass sich in der Umgebung keine elektro-magnetischen Interferenzen (zum Beispiel in der Wohnung) oder größere Stromleitungen befinden. Deshalb am besten raus gehen wo weit und breit keine Hindernisse zu sehen sind. Eine tolle Video-Anleitung gibt es hier. Die Kompasskalibrierung ist übrigens nur vor dem allerersten Flug notwendig.

5. Die beiden Kippschalter S1 und S2 an der oberen Seite der Fernsteuerung zur Sicherheit in die oberste Stellung drücken. Wofür du diese Schalter benutzt und was die Flugmodi P, A und F bedeuten, wird in dieser Video-Anleitung von DJI detailliert erklärt.

6. Zum Starten der Propeller-Motoren müssen beide Steuerknüppel für etwa eine Sekunde diagonal nach innen gerichtet werden.

7. Daraufhin kannst du abheben, indem du den linken Steuerknüppel gefühlvoll nach oben ziehst.
Die genaue Steuerung bzw. Handhabung der Steuerknüppel wird auch in der Betriebsanleitung perfekt beschrieben.

8. Beim Landen darauf achten, den linken Steuerknüppel sachte und präzise zu betätigen, damit der Quadrocopter nicht zu hart am Boden aufschlägt und im schlimmsten Fall einen Schaden davonträgt.

9. Zum Ausschalten der Propeller-Motoren nach dem Landen einfach den linken Steuerknüppel bis ganz nach unten ziehen und etwa ein bis zwei Sekunden halten.

 


 

Benötigt man einen Pilotenschein?

Grundsätzlich darf jede Person eine Drohne bzw. einen Quadrocopter oder Multicopter steuern. Deshalb ist es nicht notwendig, einen separaten Pilotenschein oder ähnliches zu machen, um ein solches Fluggerät steigen zu lassen.

In manchen Fällen sind allerdings Genehmigungen und eine Flugerlaubnis erforderlich. Was es damit genau aufsich hat, liest du im nächsten Abschnitt.

 

Was hat es mit der Fluggenehmigung aufsich?

Setzt man das eigene Fluggerät lediglich für Sport und Freizeit – also Privat – ein, ist grundsätzlich keine Fluggenehmigung oder eine spezielle Erlaubnis notwendig. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass das Flugobjekt nicht mehr als 5 Kilogramm wiegt. Weiters sollte man daran denken, nie weiter als auf Sichtweite weg und nicht höher als maximal 100 Meter zu fliegen. Wobei vom Boden aus niemand abschätzen kann, ob es nun 100 oder 120 Meter Höhe sind. Auffällig wird es natürlich dann, wenn das Fluggerät schwer oder nicht mehr sichtbar ist (zum Beispiel bei 200 bis 300 Metern Höhe). Praktisch schafft der DJI Phantom eine maximale Höhe von etwa 1.000 Meter. Der unkontrollierte Luftraum beginnt in einer Höhe von 762 Meter über dem Boden.

Anders sieht es aus, wenn man die Kamera am Fluggerät zum Filmen bzw. für die Foto-Aufnahme benutzt. Theoretisch darf die Kamera nur zur Kontrolle der Flughöhe, Fluggeschwindigkeit usw. verwendet werden. Sie darf sich nicht im Aufnahme-Modus befinden. Man spricht dann von der gewerblichen Nutzung, wenn mit den Videos/Fotos Einnahmen erzielt werden. Beispielsweise wenn die Daten verkauft oder mit den Videos auf YouTube Werbeeinnahmen erzielt werden (zum Beispiel ein Werbespot VOR dem Video).

Weiters benötigt man eine Genehmigung der AustroControl (für Österreich) bzw. dem Luftfahrt Bundesamt (LBA) (für Deutschland), wenn man das Fluggerät weiter als die eigene Sichtweite entfernen möchte. Oder aber auch um höher als die erlaubten 100 Meter fliegen zu dürfen, wobei diese Genehmigung relativ schwierig zu bekommen ist.

 

 

Gibt’s Sonderregelungen?

Ja, die gibt es. Grundsätzlich müssen etwa 1,5 Kilometer Abstand von Flughäfen und -plätzen, sowie Wohngebieten, Städten und bebauten Siedlungen gehalten werden. Dieser Wert ist jedoch nur ein Reichtwert und variiert von Bundesland zu Bundesland in Deutschland und Österreich.
Deshalb sollte man sich – wenn man wirklich Wert darauf legt – vorher mit dem zuständigen Orts- oder Bezirksamt in Verbindung setzen um den Sachverhalt und die Rechtslage zu klären.

Beispiel Berlin: Hier dürfen Drohnen, Quadrocopter und Co. überhaupt nicht fliegen. Strikt verboten ist der Flug in der Nähe eines S-Bahn-Ringes und grundsätzlich in der gesamten Stadt, da sich die Flughäfen quasi in der Stadt befinden und Flugzeuge knapp über Berlin fliegen, wodurch erhebliche Sicherheitsrisiken bestehen – so steht es im Gesetz.

In Deutschland und Österreich gilt generell: Fluggeräte von 5 bis 25 Kilogramm sind in jedem Fall genehmigungspflichtig und alle über 25 Kilogramm komplett verboten. Ebenso gilt – wie beim Autofahren – Alkoholverbot wenn man eine Drohne oder ähnliches steuert.

 

Kurzer Testflug in Österreich:

 

Ich möchte eine Aufstiegserlaubnis mit allem Drum und Dran!

Wenn du wirklich auf der sicheren Seite sein und dein Fluggerät auch gewerblich nutzen möchtest, musst du bei deiner zuständigen Luftfahrtbehörde einen Antrag stellen. In Deutschland geht dies über das LBA (hier geht’s zu den Anträgen) – wie bereits erwähnt – und in Österreich über die AustroControl (hier geht’s zum Antrag). Natürlich sind diese Genehmigungen mit relativ hohen Kosten verbunden – in NRW zahlt man beispielsweise für eine zweijährige Genehmigung satte 250 Euro. Die Kosten für Österreich belaufen in etwa auf 240 Euro plus etwa 3 Arbeitsstunden (zu je 67 Euro).
Ein weiteres Problem ist es, dass man diese Genehmigungen nicht so einfach bekommt. Jede Menge Papierkram, Geduld und nötiges Kleingeld sind also vorprogrammiert. Eine große Hürde beim Antrag mit einem DJI Phantom wird die Betriebssicherheit sein, da alle Systeme eines Fluggeräts doppelt abgesichert sein müssen, was bei diesem Modell nicht der Fall ist.

Weitere hilfreiche Infos und Details zum Thema Aufstiegserlaubnis, Genehmigungen usw. findest du auf der Website von Richard Haderer.

 

Wo darf ich beim Fliegen nicht erwischt werden?

Man darf sich mit einem Fluggerät an folgenden Orten und Gebieten nicht blicken lassen:
• über Justizvollzugsanstalten
• Katastrophenorte
• militärischen Anlagen
• Unglücksorte
• in der Nähe von Flughäfen und Flugplätzen
• Einsatzorte der Polizei und Sicherheitsbehörden
• Menschenmengen
• Industrieanlagen
und so weiter.

Strafen:
Sollte man hier erwischt oder aus anderen Gründen bestraft werden, drohen von der zuständigen Bezirkshauptmannschaft bzw. vom Magistrat Strafen im Rahmen von bis zu 22.000 Euro. Grundsätzlich kann dich als Pilot eines Fluggeräts jede Person anzeigen.

 

 

Wie sieht es mit Versicherungen aus?

Auch diese gibt es für Drohnen, Quadro- und Multicopter, unabhängig davon ob man eine Aufstiegserlaubnis oder ähnliches besitzt. Eine generelle Empfehlung kann ich in diesem Gebiet nicht aussprechen, man sollte also einfach mal mit der Hausversicherung darüber sprechen – ob diese Sparte angeboten wird und wie es kostentechnisch aussieht. Eine Haftpflichtversicherung ist in jedem Fall empfehlenswert bevor man das Fluggerät in die Lüfte befördert.

Es gibt auch den Anbieter Air&More (Österreich), der Haftpflichtversicherungen für unbemannte Luftfahrzeuge relativ kostengünstig anbietet (jährliche Prämie rund 72 Euro inkl. Steuer – Deckung bis 1 Mio. Euro auf Personen- und Sachschäden).
Erfahrungen habe ich mit Air&More jedoch bis dato noch nicht gemacht.

 

Was darf ich aus der Luft filmen?

Hier gilt das gleiche Prinzip wie am Boden: Wenn ich Fotos oder Videos von Personen mache, die eindeutig erkennbar sind, benötige ich die Erlaubnis bzw. Einwilligung der jeweiligen Personen. Dazu dient beispielsweise ein sogenannter Model Release Vertrag (Muster), den auch Fotografen bei Portraitaufnahmen verwenden. Grundsätzlich darf das Persönlichkeitsrecht von Personen nicht verletzt werden. Ergo darf man auch nicht schnell mal zum Nachbarn fliegen um dort durchs Fenster ins Wohnzimmer zu filmen – es sei denn man verfügt über eine schriftliche Genehmigung.

 

Beitragsbild-Quelle: © DJI.com

 

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1 Kommentar zum Artikel "Alles über Drohnen: Rechtslage, Genehmigungen, Tipps"

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schöner bericht, danke für die hilfreichen infos!
ich besitze eine phantom 3 standard und bin sehr zufrieden mit dem teil :)

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